Grußwort von Malu Dreyer

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

Sehr geehrte Herren und Damen,
liebe Mitglieder des Katholikenrats im Bistum Speyer,

wir sind nicht der Eigner der Erde, sondern ein Teil von ihr. Diese Verortung von uns Menschen innerhalb der Schöpfung spiegelt sich auch in der Bibel wider – so im Buch Genesis, in der die Grundlagen der Schöpfungsgeschichte dargestellt sind: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ (Genesis 2,15).

Das ist ein Ausdruck der elementaren Verantwortung, die wir gegenüber der Natur haben – sie so pfleglich zu behandeln, dass auch die nachfolgenden Generationen von ihr zehren können. Unser Auftrag ist es also, die Schöpfung in ihrer Einzigartigkeit und Vielfalt zugleich zu schützen und zu bewahren.

Eine weltumspannende Erkenntnis, wie beispielsweise eine populäre Weisheit zeigt, die von amerikanischen Indianern überliefert worden ist: „Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt, sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen“. Solche Appelle für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung finden sich in allen Kulturen. Sie immer wieder ins Bewusstsein der Menschen zu tragen, ist eine Aufgabe, die heute so dringlich ist wie nie zuvor.

Die langfristige Sicherung der Lebensgrundlagen verlangt von uns allen viele kleine und große Anstrengungen, ob im alltäglichen Leben oder in politischen Leitlinien und Entscheidungen, ob regional, national oder global.

Dass der Katholikenrat im Bistum Speyer gemeinsam mit dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor e. V. am 23. August mit seiner Aktion „Gutes Leben. Für alle!“ eine Kampagne für einen verantwortungsvollen Lebensstil startet, begrüße ich sehr. Das ist ein ebenso wichtiges wie ausdrucksstarkes Signal nicht nur an die Mitglieder der katholischen Kirche im Bistum Speyer, sondern an alle Bürger und Bürgerinnen.

Es zeigt: Engagement beginnt vor Ort und je mehr Menschen sich einbringen, desto erfolgreicher können wir unseren Handlungsauftrag erfüllen, sei dies durch die verstärkte Verwendung ökologisch erzeugter Lebensmittel, den Kauf von Produkten aus fairem Handel, die erfolgreiche Umstellung unserer Energieversorgung auf die Grundlage regenerativer Quellen und anderes mehr. Es gibt und bleibt viel zu tun – für uns alle.

Durch zahlreiche Aktionen werden Sie diese Kampagne in den 15 Monaten ihrer Dauer mit Leben erfüllen. Sie sind damit Motoren für ein Zusammenleben, das auf Prinzipien wie Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit beruht. Dabei richten Sie Ihren Blick zu Recht weit über unsere Heimat hinaus, denn solidarisches Handeln darf nicht an sozialen Barrieren und geographischen Grenzen enden.

„Gutes Leben. Für alle!“ – dazu zählt für mich auch, dass wir die Herausforderungen bewältigen, die sich uns durch den demografischen Wandel stellen. Schon heute ist das eine der größten Aufgaben für unsere Gesellschaft, und sie wird es in Zukunft noch viel mehr sein. Kaum eine Entscheidung, die wir zu treffen haben, bleibt davon unberührt. Sei es das Wohnen, die Arbeit, die Wirtschaft, die Bildung oder die Infrastruktur – wir können auf die Fragen von heute und morgen nicht die Antworten von gestern geben.

Ich will, dass alle Generationen in unserem Land gut leben können, deshalb setzt die Landesregierung einen Schwerpunkt ihres Handelns auf das Erreichen eines Höchstmaßes an Generationengerechtigkeit. Angemessene Lebens- und Wohnformen in allen Teilen des Landes zählen dazu ebenso wie Initiativen, wie ältere Menschen ihre Erfahrungen in unsere Gesellschaft einbringen können. Das ist ein Schatz, auf den wir nicht verzichten können. Und auf der anderen Seite will ich, dass junge Menschen möglichst breite Bildungschancen erhalten, denn in einer schrumpfenden und älter werdenden Gesellschaft müssen wir die Chancen nutzen, die in jedem einzelnen Talent liegt!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Einsatz und wünsche der Kampagne den verdienten Erfolg. Mögen sich viele Menschen durch Ihr Beispiel, Ihre Kreativität und Ihr Engagement zum Mitmachen und zur Nachahmung inspirieren lassen.


Malu Dreyer

Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

Katholikenrat Speyer
Bistum Speyer
Misereor