Grußwort von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer

Die Frage nach dem „guten Leben“ beschäftigt den Menschen seit frühesten Zeiten. Wie unser Leben gelingen kann, galt für die Philosophie von der Antike bis zur Neuzeit sogar als die zentrale Frage der menschlichen Existenz. Mit der Zeit aber verengte sich die Sichtweise aus das „gute Leben“. Es zu erreichen wurde schließlich zu einem hauptsächlich persönlichen Unterfangen: Was kann ich tun, damit ich glücklich werde?

Für die christliche Philosophie und Theologie ist das gute und gelingende Leben jedoch nie nur abhängig von individuellen Neigungen und Wünschen einzelner Personen. Für den heiligen Thomas von Aquin etwa ist Glück weit mehr als nur ein momentanes Glücksgefühl. Vielmehr ist es das grundlegende Merkmal des menschlichen Wesens und dessen letztes und eigentliches Ziel - sozusagen Ausdruck eines vollendeten Menschseins.

Geglücktes Leben ist vor diesem Hintergrund mehr als nur ein zeitlich möglichst lange überlebtes Leben. Es ist ein Leben, für das ein Sinn gefunden werden kann, weil dieser letztlich von Gott gegeben ist.

„Gutes Leben. Für alle!“ Die Lebensstil-Kampagne des Katholikenrats im Bistum Speyer, des Bistums und von Misereor kann dazu beitragen, den womöglich verengten Blick auf das Thema zu weiten. Die Frage nach dem guten Leben, so wird deutlich, stellt sich immer nur im Horizont des mitmenschlichen Zusammenlebens und der gegenseitigen Verantwortung. Diese hat heutzutage globale Ausmaße: Was ich tue oder unterlasse, hat Auswirkungen auf meine Mitmenschen und auf die Welt, in der ich lebe. Auf die Tragweite dessen hat Papst Franziskus bei seiner Predigt beim Besuch der Insel Lampedusa aufmerksam gemacht und gesagt: „In dieser Welt der Globalisierung sind wir in die Globalisierung der Gleichgültigkeit geraten. Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an! … Die Globalisierung der Gleichgültigkeit macht uns alle zu ‚Ungenannten’, zu Verantwortlichen ohne Namen und Gesicht.“

Was wir also tun oder unterlassen, bewirkt einen Nachhall. Dieser Nachhall ruft uns dazu auf, nicht gleichgültig zu sein, sondern möglichst verantwortet und nachhaltig zu entscheiden und zu handeln.

So wie sich das philosophische Nachdenken in einem weiten Kontext von Gott, Mensch, Welt und Gesellschaft bewegt, so soll auch die Kampagne möglichst viele Bereiche des täglichen Lebens, möglichst viele Entscheidungsprozesse und Handlungsfelder, umfassen. Dem klassischen Dreischritt Sehen – Urteilen – Handeln entsprechend, will sie dann dazu beitragen, dass der Übergang vom Nachdenken zur Veränderung oder Optimierung vollzogen wird und gelingen kann.

„Gutes Leben. Für alle!“ hat deutlich die globale Verantwortung im Blick, ist aber auch ganz bewusst in der Region und im Bistum verortet. Insofern hoffe und wünsche ich, dass sich möglichst viele Privatpersonen, Familien, Gemeinden und Gruppen des Bistums an der zweijährigen Kampagne, die mit Inkrafttreten der „Gemeindepastoral 2015“ endet, beteiligen. Die Akteure der Kampagne sind während dieser Zeit beratend tätig und haben ein spannendes Programm an Informationsveranstaltungen und Aktionen zusammengestellt. Für diesen Einsatz möchte ich auch als Bischof von Speyer herzlich danken und wünsche der Kampagne einen guten Verlauf und viel Erfolg.

Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Bischof von Speyer

Katholikenrat Speyer
Bistum Speyer
Misereor