Gutes Leben. Für alle! – eine Kampagne, die Perspektiven ermöglicht

Autor: Artur Kessler, Gemeindereferent in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Maikammer
Erschienen in "Die Rheinpfalz", Ausgabe Mittelhaardter Rundschau am 13.09.2013

Noch immer denke ich bewegt und beeindruckt an eine Veranstaltung im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt zurück. Der Katholikenrat im Bistum Speyer, die Diözese Speyer und das Hilfswerk Misereor hatten zur Auftaktveranstaltung "Gutes Leben. Für alle!" eingeladen.

Der Titel dieser Aktion ist Frage und Aufforderung zugleich. Zum einen stellt sich die grundsätzliche Frage, ob es denn überhaupt möglich ist, dass alle Menschen auf diesem Planet ein gutes Leben haben können. Eigentlich haben wir uns doch damit abgefunden, dass die materiellen Möglichkeiten auf der Erde sehr verschieden sind. Da gibt es Länder, in denen täglich Menschen verhungern, am Rande der Existenz leben, also offensichtlich kein gutes Leben führen können. Doch hinter dem Titel "Gutes Leben. Für alle!" steckt zum andern eine Vision. Wie wäre es denn, wenn alle Menschen ein gutes Leben hätten? Vermutlich spüren Sie jetzt Skepsis? Wenn es allen gut ginge... dann, ja dann hätte das auch Konsequenzen für mich, meine Gewohnheiten, meine Bedürfnisse, mein Konsumverhalten, meine Sattheit und wohl auch meine Bequemlichkeit.

Und spätestens hier klingt an, dass der Slogan auch einen auffordernden Charakter hat. Damit alle ein gutes Leben haben können, braucht es ein Umdenken in unseren Lebensgewohnheiten. Das heißt nicht, dass ich ab sofort ein schlechtes und eingeschränktes Leben führen muss. Es kann aber bedeuten, meinen Lebensstil zu überdenken und zu hinterfragen.

In diesen Tagen läuft die Weinlese, und die Ernte vieler Feldfrüchte nimmt ihren Höhepunkt. Wir leben in einer Landschaft, in der wir beschenkt sind mit der Fülle dessen, was bei uns wächst. Gleichzeitig wissen wir, dass ein Großteil unserer Lebensmittel vernichtet wird, weil zuviel produziert wird. Für viele Menschen ein Skandal. In anderen Teilen der Erde werden Menschen um ihre Lebensgrundlagen betrogen. Ich finde, es wird Zeit, dass dieses Ungleichgewicht nicht mehr hingenommen wird. Und da kann die Aktion "Gutes Leben. Für alle!" uns wichtige Impulse geben.

Zu dieser Initiative passt gut eine ökumenische Aktion in unseren Pfarreien. Am ersten Oktoberwochenende sammeln Menschen aller Generationen unserer Gemeinden heruntergefallenes, nicht geerntetes Obst und laden dazu ein, es an einem Aktionstag zu verarbeiten.

Wir alle haben den Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren. Ich wünsche Ihnen allen viele Ideen, wie Sie die Aktion "Gutes Leben. Für alle!" in Ihrem Alltag in kleinen Schritten umsetzen werden.

Katholikenrat Speyer
Bistum Speyer
Misereor