Wohlstand für alle – Ende einer Vision?

Autor: Thomas Schmitt, Frankfurt

Für Christinnen und Christen, und besonders für Misereor, ist der "Respekt vor den Armen" der Ausgangspunkt. Er gehört auf die erste Seite jeder Publikation und ist auf jeder folgenden Seite mitzudenken. "Wohlstand für alle" kann aus christlicher Sicht nur mit dem Selbstverständnis "Die Armen zuerst" zum Thema werden. Das ist gute Tradition bei Misereor und muss zur Selbstverständlichkeit der ganzen Kirche werden. "Eine arme Kirche für die Armen" - hat Papst Franziskus das - ekklesiologisch gewendet - genannt. Mit diesem Standpunkt auf der Seite der Armen beginnt der christliche Beitrag zum Thema "Wohlstand für alle".

Es hat mich gefreut zu lesen, dass Johann Sebastian Bach, seinen 1. Kantatenzyklus am 1. Sonntag nach Trinitatis im Jahr 1724 mit der Kantate: "Die Elenden sollen essen" begonnen hat. Sie erlauben ein kurzes Zitat aus dem Anfangschor: "Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden, und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen. Euer Herz soll ewiglich leben."
Das ist für Christinnen und Christen der richtige erste Satz: musikalisch wie inhaltlich.

Also von diesem Standpunkt aus, aus christlicher Perspektive sage ich: Wohlstand für alle: Ja, dreimal Ja.

Ja, im Angesicht der Armen im globalen Dorf, der Bauern in Indien, der Müllbergbewohnerinnen in Kairo, der Kinder in den Heimen Rumäniens, der Landlosen Brasiliens: Wohlstand für alle.

Das Ja gilt auch für die 50 Prozent arbeitslosen spanischen Jugendlichen und die insolventen griechischen Kleinhändler.

Wohlstand für alle, Ja also auch für die Hartz-IV-Empfänger und die Rentnerinnen unterhalb  der Grundsicherung in Deutschland.

Nicht zuletzt für die Einzelhandelsbeschäftigten, für die die Steuerzahler 1,5 Millionen Euro Aufstockergeld aufbringen müssen, damit sie überhaupt rundkommen und für die, die uns die Haare schneiden und das Hotelzimmer putzen, die Sicherheit in den S-Bahnen garantieren und unsere dementen Alten in den Heimen füttern.

Wohlstand für alle!

Ende einer Vision? Warum? Verzweiflung ist das Privileg der Reichen.

Natürlich stellt sich die Frage: Wohlstand für alle - was soll das sein? Es ist sicher materieller Wohlstand.  Aber es ist eben nicht nur materieller Wohlstand. Also was? Was wäre Wohlstand für alle - theologisch betrachtet?

Dazu fünf theologische Gedanken, ein Nachdenken im Licht des Evangeliums aus dem Glauben heraus. Nicht abgeschlossen, sondern hoffentlich anschlussfähig, revidier- und/ oder erweiterbar.

1. Kehrt um

Bevor ich mich mit dem Wohlstand für alle beschäftige, muss ich noch eine Schleife drehen. In biblischer Sprache heißt Wohlstand für alle: Leben in Fülle. Damit beginnt die neutestamentliche Botschaft aber nicht. Sie beginnt mit dem Aufruf zur Umkehr: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium."

Der Beginn der Debatte um den Wohlstand für alle ist theologisch gesehen der Bruch mit dem Glauben an die Alternativlosigkeit der ökonomischen Wachstums, das einigen von uns materiellen Wohlstand bringt. "Alternativlos" hat es ja schon 2010 zum Unwort des Jahres gebracht. Schlimmer noch: Es ist in die meisten unserer Köpfe eingedrungen. Alle Parteien verkünden es, neuerdings hier und da mit ein paar Differenzierungen und höchstens die Grünen mit einigen Abstrichen. Wohlstand durch Wachstum bleibt aber das Grunddogma nicht nur unserer Ökonomie, sondern auch der durch sie beherrschten Politik.

Biblisch gesehen, gibt es immer ein Alternative: Die des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit. Es gibt immer die Möglichkeit umzukehren, persönlich und politisch. Das Wachstum für die einen und der Hunger für die anderen sind nicht alternativlos. Ohne Einstieg in die Inhalte der Alternative können und sollen Christen daran erinnern, dass uns ein neuer Himmel und eine neue Erde versprochen sind, in denen die Gerechtigkeit wohnt. Untendrunter sollten wir es nicht machen. In jüdischer Perspektive ist die Rede von der Alternativlosigkeit des Hier und Jetzt, die Verwechslung von den Fleischtöpfen Ägyptens mit dem gelobten Land unter Umgehung des Weges durch die Wüste. Auf diese Verwechslung sollten wir nicht hereinfallen. Zu diesem Festhalten an der Möglichkeit einer Alternative - warum sollten wir sonst Ostern feiern? - kommt die dringend notwendige theologische Kritik am Konsumismus, am "Shoppen als Weltreligion", wie es "Der Spiegel" so schön ausgedrückt hat.

Pirmin Spiegel und ich sind im Sommer 1986 im Abstand von zwei Wochen zu Priestern geweiht worden. Dazu hat uns der brasilianische Bischof Dom Pedro Casaldaliga einen Ring aus der Frucht der Tucum-Palme geschickt und dazu einen Text geschrieben, in dem es unter anderem heißt: "Freunde, Brüder, companheiros, dieser Ring aus Tucum - indigene Kunst, Palme der Erde, Zeichen des Bundes - sei in Euren Händen eine Verpflichtung des (...) revolutionären Widerspruches gegen die Erste Welt mit ihren ausschließenden Privilegien, ihrer kolonisatorischen Vorherrschaft, ihrem Konsumismus und ihrer spirituellen Ermüdung."

Das galt damals und heute umso mehr. Der Konsumismus ist eine globale Religion geworden, "Ich konsumiere, also bin ich". Pasolini hat ihn schon in den 70er Jahren "sanften Faschismus" genannt, Harald Welzer benutzt das Wort Totalitarismus. Der Konsumismus ist ein Herzstück der Wachstumsreligion und er braucht gerade deshalb Widerspruch aus der jüdisch-christlichen Religion. "Du sollst keine andere Jeans neben mir haben" stand mal auf einem Werbeplakat. Widerspruch - in Gottes Namen!

2. Leben in Fülle

Die biblische Botschaft ist vor allem das Versprechen eines guten Lebens, eines Lebens in Fülle, wie Jesus das im Johannesevangelium nennt. Auch hier: Die Armen zuerst. Sie sind erst einmal an der Reihe.

Aber dann kommt die spannende Frage: Was ist denn drin, in diesem "Leben in Fülle"? Es ist schwer vorstellbar, dass Jesus damit ein Designer-Sofa im Wohnzimmer, einen SUV (Anmerkung: sport utility vehicle = Geländelimousine) in der Garage, einen Nadelstreifenanzug im Schrank, eine edle Zigarre im Humidor und einen teuren Champagner im Kühlschrank gemeint hat. Und sicher auch nicht den Einkaufstrip nach New York und den Zweiturlaub auf den Malediven.

Was ist für die Bibel "Leben in Fülle"? "Reich Gottes und seine Gerechtigkeit" so ist der Sprachgebrauch in den synoptischen Evangelien. Auch eher eine Hülle, eine Überschrift. Im neuen Himmel und auf der neuen Erde gibt es keinen Tod mehr, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Alle Tränen werden abgewischt sein, heißt es in den letzten Zeilen des Neuen Testamentes. Immerhin.

Barmherzigkeit dürfte dazu gehören und natürlich: Alle werden satt. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Jesus ein mittelloser Wanderprediger war. Seine persönlichen Bedürfnisse waren sehr bescheiden und seine Skepsis dem Reichtum und den Reichen gegenüber groß. Seine Begegnung mit dem reichen Jüngling kennen Sie und seinen Nadelöhr-Vergleich auch. "Nicht viel haben, sondern wenig brauchen", liest man oft in wachstumskritischen Büchern. Das könnte auch von Jesus sein. Bischof Cappio sagt: viver mais com menos. Mehr leben mit weniger - ganz im Geist und in der Nachfolge des Zimmermannssohnes und Wanderpredigers aus Nazareth.

Nimmt man die gesamte jüdisch-christliche Tradition, war es vielleicht der Prophet Jesaja, der am mutigsten war: In der Osternacht lesen wir diese Passage: "Kommt Ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung."

Interessant scheint mir der jüdische Grundgedanke der Sabbat-Ökonomie, den ich bei Franz Segbers gefunden habe: Es ist schon genug da. "Das Land gibt seinen Ertrag" heißt es im Psalm 67 und im Buch Genesis im 8. Kapitel: "So lange die Erde besteht, / sollen nicht aufhören / Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, / Sommer und Winter, Tag und Nacht."

Gott hat die Schöpfung gut ausgestattet und jetzt geht es um die Verteilung der Güter in Gerechtigkeit. Und dazu gibt es Weisungen. Ich zitiere Franz Segbers:
"Jeder siebte Tag ein Sabbat, jedes siebente Jahr ein Sabbatjahr und alle sieben Sabbatjahre ein Jobeljahr sind Weisungen zu einem guten Leben in Gerechtigkeit. Dabei geht es nicht nur um einen zeitlichen Rhythmus sondern um ein durchdachtes wirtschaftsethisches Befreiungsprogramm, das sich auf die ökonomischen Faktoren Arbeit, Boden und Geld bezieht."

Der Sonntag ist eben in dieser Sabbat-Tradition eine Unterbrechung der Ökonomie, die deren Logik bricht, nicht ein Tag der Reproduktion, der die Produktion während der Woche noch effizienter und erfolgreicher macht. Zum guten Leben im biblischen Sinn gehört ganz sicher der Zeitwohlstand und das heißt politisch gewendet Arbeitszeitverkürzung bei (vollem) Lohnausgleich.

Wir brauchen - das sagen Vater und Sohn Skidelski in ihrem interessanten Buch "Wie viel ist genug" - die Erinnerung an eine nicht-kapitalistische Logik. Die Bibel und die christliche Tradition haben da einiges zu bieten. Ich nenne hier nur einmal aus meinem Horizont: Jesus, Propheten, Weisheitsbücher Thomas von Aquin, Dietrich Bonhoeffer und die frühen Texte aus Taizé.

Der Kapitalismus macht alles zur Ware. Seine Logik wird uns nicht helfen. Schauen Sie mal: Er verkauft Che Guevaras "Viva la revolucion" für 3 Euro und das Kreuz Christi auf einer Einkaufstasche in Billignieten für 2 Euro. (...) 

Wir Christen verfügen über den Schatz einer anderen Logik. Wir müssen sie nur einbringen und uns nicht narzisstisch ständig mit uns selbst beschäftigen, wie es Papst Franziskus richtig formuliert hat.

3. Das Senfkorn und der Sauerteig

Die Bibel kennt Wachstum. Das Reich Gottes, das christliche Alternativprogramm, wächst. Es ist uns versprochen als reiche Ernte. Die Ähren wachsen und das Unkraut.

Berühmt ist das Senfkorn. Aus dem kleinen Korn wird zumindest ein stattlicher Strauch. Es wächst enorm und wächst doch nicht in den Himmel. Die Vögel des Himmels nisten darin. Das ist ein Unterschied. Ich lese darin zweierlei: Die Bibel lehrt uns, genau hinzuschauen, was wachsen soll, und sie sagt uns, dass jedes Wachstum eine Grenze hat.

Die Grenze heißt biblisch: Alle werden satt. Mit den Gaben lässt sich ein Fest feiern, zu dem alle eingeladen sind.

4. Die Karriere nach unten

Es gibt noch einen anderen, biblischen Traditionsstrang, der dem bisher Gesagten möglicherweise widerspricht. Aber gerade durch die verschiedenen Traditionsstränge und durch die Widersprüche bleibt die Bibel eine Quelle für eine lebendige Auseinandersetzung. Ich nenne ihn "freiwillige Karriere nach unten". In der geistlichen Literatur findet man ihn unter "Kenosis", also Selbstentäußerung. Bei Niko Paech las ich den Begriff "kreatives Unterlassen". Das klingt für moderne Ohren furchtbar. Trotzdem lohnt es, darüber nachzudenken. Aus furchtbar kann dann fruchtbar werden - gerade für den Wohlstand.

Kronzeugentext ist der Hymnus im Philipperbrief über Jesus: "Er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich." So beginnt Jesu Karriere nach unten. Sie landet am Kreuz und endet dann doch mit der Erhöhung.

Wege nach unten, in die Einfachheit, ja auch um einmal ein paar altmodische Worte zu benutzen, die - klar - nicht mehrheitsfähig sind: in die Bescheidenheit, in die Selbstbeschränkung, in die Konsumverweigerung. Auch: in den Klassenwechsel, in die Orientierung an den Benachteiligten, "wer profitiert von meinen Fähigkeiten?". Eine Haltung gegen die Aufstiegsorientierung einnehmen, gegen die "young upwardly mobile professionals", die yuppies, deren Selbstverständnis des "mehr, höher, schneller, flexibler" unsere westlichen Gesellschaften so geprägt hat.

Müssten nicht Christen Teil der Bewegung sein "mit 100 Dingen oder weniger auskommen", den extremen Minimalisten oder doch zumindest der LOVOS (Lifestyle of Voluntary Simplicity), also eines Lebensstils freiwilliger Einfachheit. Bei 10.000 Teilen, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt besitzt, ein große Herausforderung. Es gab doch mal Orden, Bettelorden und Reformorden, die so etwas versucht haben.

Gerade die Tatsache, dass es zum Kernbestand unseres Glaubens gehört, dass wir schon erlöst sind, dass wir befreit sind von der Angst um selbst, dass wir bei Gott Ansehen haben, könnte uns doch unempfindlich machen gegen "Frustshoppen", gegen "Statuskonsum", gegen einen Vergleichswettbewerb mit den Nachbarn, der uns in die Wohlstands- und Wachstumsspirale nach oben treibt.

Prophetische, erkennbare, provozierende Zeichen setzen. Das würde uns als Christen gut tun und wäre ein wichtiger Beitrag für die Debatte, wie wir leben wollen, gerade für eine Debatte um poltische Lösungen, ohne die solche symbolischen Akte letztlich versanden. "Lebensstilpolitik machen", heißt das bei Niko Paech.

5. Ohne Hoffnung auf Hoffnung hin glauben

Gerade für heute habe ich noch mal eine ganze Menge gelesen: über den Klimawandel, über das drastische Verfehlen der Klimaziele seit Kyoto, über das Wachstumsdogma im Mainstream der Politik, über die quantitative Marginalität alternativer Ansätze, über Rebound-Effekte und die Unmöglichkeit der Entkopplung von Kohlendioxid-Ausstoß und Wachstum, über die Entwicklung in den BRICS-Staaten (Anmerkung: BRICS-Staaten sind eine Vereinigung von aufstrebenden Volkswirtschaften. Die Abkürzung BRICS steht für die Anfangsbuchstaben der fünf Staaten: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) usw. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich mich in die Hoffnungslosigkeit hineingelesen habe.

Overeducated and underpowered, hat Dorothee Sölle dieses Gefühl genannt. Und Harald Welzer nennt dazu das Problem der kognitiven Dissonanz: Wir kennen die Probleme, wissen, was falsch ist und tun es trotzdem. Stimmt! Und der Schritt zum "Bringt ja alles nichts, wir Menschen werden es nicht schaffen", ist klein. Verzweiflung ist aber nicht nur das Privileg der Reichen, sie kann auch aus christlicher Perspektive nicht das letzte Wort haben.

Zuerst gilt es "Geschichten vom Gelingen", vom praktisch verwirklichten guten Leben zu erzählen. Da hat Harald Welzer recht, und ich meine, das ist genau auch die Praxis Jesu mit seinen Gleichnissen. Dann muss man in Zeiten messianischer Dürre, wie Elsa Tamez unsere Gegenwart nennt, die alten Verheißungen einfach weiter erinnern und sie nicht der Wegwerfgesellschaft überlassen.

Ein Pfarrer, der das KZ überlebte, sagte uns einmal, dass ihm geholfen habe, fremder Hoffnung Heimat zu geben. Christen können jemand suchen, der noch Hoffnung hat und sich daran aufrichten. Schließlich kommt ja wirklich nur das ganze Dorf in den Himmel, wie es in Polen heißt.

Und ganz am Schluss dürfen wir uns an die zutreffende Übersetzung von Karl Barth aus dem Römerbrief 4,18 erinnern: Abraham habe "ohne Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt". Es waren nicht zuletzt die Märtyrer, die menschlich gesehen gescheitert sind, und die dennoch neue Wege zum Leben eröffnet haben. Ich meine, auch solche Überlegungen gehören aus christlicher Sicht zum Thema dazu.

Aber so weit sind wir noch nicht. Deshalb möchte ich am Schluss noch einen Vorschlag machen:

Eine Selbstverpflichtung: Ein neuer Katakombenpakt – Einfachheit in Solidarität

Vor 50 Jahren fand nicht nur das 2. Vatikanische Konzil statt, das ja schon für sich genommen ein Ereignis der Hoffnung für die Kirche in der Welt von heute war. Während dieses Konzils haben Bischöfe den sogenannten Katakombenpakt geschlossen, dem sich im Laufe der Zeit 500 Würdenträger angeschlossen haben. Ich vermute, die meisten von Ihnen kennen diesen Pakt inzwischen.

Eine Sache hat mich für unseren Zusammenhang besonders interessiert: Die Bischöfe versprechen zunächst in mehreren Punkten, dass sie selbst ein einfaches Leben führen wollen, persönlich und dienstlich:

Beispiel: Punkt 2
"Wir verzichten ein für allemal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall - weder Gold noch Silber - gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen (Vgl. Mk 6,9; Mt 10,9; Apg 3,6)."

Spannend finde ich, dass es auch den Punkt 10 gibt:
"Wir werden alles dafür tun, dass die Verantwortlichen unserer Regierung und unserer öffentlichen Dienste solche Gesetze, Strukturen und gesellschaftlichen Institutionen schaffen und wirksam werden lassen, die für Gerechtigkeit, Gleichheit und gesamtmenschliche harmonische Entwicklung jedes Menschen und aller Menschen notwendig sind. Dadurch soll eine neue Gesellschaftsordnung entstehen, die der Würde der Menschen- und Gotteskinder entspricht (Vgl. Apg 2,44f; 4,32-35; 5,4; 2 Kor 8 und 9; 1 Tim 5,16)."

Diese Mischung, persönliche Konsequenzen im Lebensstil und politische Arbeit um den strukturellen Rahmen zu schaffen, dass solche persönlichen Initiativen auch wirksam werden können: Die ist von herausragender Bedeutung.

Könnte nicht Misereor einen Dienst leisten an der Kirche und der Gesellschaft und in der nächsten Kampagne dazu anregen, dass einzelne Menschen und Gruppen und Gemeinden eine Selbstverpflichtung eingehen, die immer beides ist: Persönlich konsequent und politisch engagiert für den "verantworteten Wohlstand für alle" oder ein "aufgeklärtes Glück", wie es die Skidelskis nennen?

Könnte nicht Misereor die Worte Jesu in den Mund nehmen und uns Lahmen sagen: "Steh auf und geh!"? Geh in die Richtung des Horizontes, der das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit ist. Heraus aus Selbstbezüglichkeit und theologischem Narzissmus wie Papst Franziskus das sagt.

Könnte Misereor mit einer solchen Selbstverpflichtung nicht mithelfen, dass von der Seite der Armen aus, Mut in die Seelen, Kraft in die Knochen und frischer Wind in die Verhältnisse fährt.

Vielleicht kämen dann alle, die sich einer solchen Bewegung anschließen in einen Zustand, mit dem die Quäker Christen kennzeichnen:
immensly happy, absolutely fearless and always in trouble -
grenzenlos glücklich, absolut furchtlos und ständig in Schwierigkeiten.

Katholikenrat Speyer
Bistum Speyer
Misereor